Tarut und Orakel

“Fragen Sie das Orakel.” Einfach ausgedrückt ist das Orakel in Verbindung mit dem Tarot die Kartenlegerin oder der Kartenleger, welche/r die Karten deuten kann. Das Orakel befragt die Karten als “höhere Instanz” und offenbart sodann die Antworten auf Fragen der jeweiligen Person.
Es gibt auch Orte, wo bereits in der Geschichte spezielle Orakel gegeben wurden. Diese Orakelstätten können z.B. heilige Tempel sein. Die bekannteste Stätte ist wohl das “Orakel von Delphi” im antiken Griechenland.
Orakel wurden seit jeher nicht nur zu Zukunfts-oder Entscheidungsfragen, sondern auch zu juristischen Fragen (z.B. im Neuen Reich) herangezogen

Beim Tarot handelt es sich um ein sehr altes “Kartenspiel”, wobei die ersten Tarot-Karten – die “tarocchi” – bereits im 14. Jahrhundert in Italien entstanden. Heute ist die französische Bezeichnung “Tarot” (ältere Bezeichnung “Tarock”) üblich.
Ein Tarot-Kartensatz besteht aus 78 Blatt, aufgeteilt in die 22 großen Arkana und 56 kleinen Arkana (Arcanum ist der latainische Ausdruck für Geheimnis). Die Karten des Tarot-Decks enthalten symbolische Darstellungen, welche in verschiedene Abschnitte der Kulturgeschichte des Abendlandes weisen oder Motive und Symbole aus der Frühgeschichte, der Antike und dem Mittelalter vereinen. Die bekanntesten Tarot-Kartendecks sind das Marseille-Tarot, das Rider-Waite-Tarot sowie das Crowley-Tarot. Andere Kartensätze, wie z.B. Lenormandkarten, Kipperkarten oder andere Wahrsagekarten, unterscheiden sich in der Struktur und den Abbildungen vom Tarot, werden aber gern auch als solches bezeichnet.
Es ist auch möglich, Tarotkarten mit anderen okkulten Systemen, z.B. Engeln, dem Hebräischen Alphabet, Runen, I Ging, keltische oder ägyptische Mythologie, zu verbinden. In vielen Deutungssystemen des Tarot werden auch Verbindungen zur westlichen Astrologie hergestellt.

Nie zuvor in der Geschichte legten sich so viele Menschen die Karten, wie in den letzten etwa 30 Jahren. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Tarot-Karten bei den Hippies in den 1960er Jahren und der Frauenbewegung der 1970er Jahre. Tarot-Begeisterung und auch die selbstständige Beschäftigung mit den Bildern und Symbolen ist heute ein Teil des Alltagslebens geworden, genau wie Meditation oder Yoga. Die Mischung aus Ernst und Spiel, Kreativität und Wissen ist außerordentlich unterhaltsam und bietet über seriöse psychologische und spirituelle Erfahrungen dem Fragenden oft große oder neue Selbsterfahrung. Tarot kann durchaus als “Spiegel des Lebens” bezeichnet werden. Die Symbolik des Kartenorakels greift zurück auf bekannte, häufig vorkommende Symbole des täglichen Lebens mit ihrer Bedeutung für gute und schlechte Zeiten, Glück und Unglück. Die Karten geben damit Antwort auf jede gestellte Frage.
Wer sich die Kunst des Kartenlegens und -deutens aneignen möchte, findet verschiedene Anwendungsweisen, mit denen er dann selber nach eigenen Ansprüchen und Vorlieben arbeiten kann. Das bedeutet nicht nur, die Technik des Kartenlegens zu beherrschen, sondern auch die eigene Intuition einfließen zu lassen. Es gibt unzähliche Legemethoden, z.B. das “Keltische Kreuz” als die am beliebtesten beschriebene Legevariante und jede Karte hat nicht nur eine eigene Bedeutung, sondern auch eine spezielle (zum Teil ganz andere) Bedeutung im Zusammenhang mit den jeweils umliegenden Karten.

Die Karten werden in schöner Atmosphäre, vielleicht bei Kerzenschein und Musik, ausgelegt. Manche Menschen bereiten sich auch meditativ darauf vor. Ob esoterisch-spirituell, also magisch oder psychologisch ausgerichtet – wichtig für die Relevanz einer Tarot-Kartenlegung ist der jeweilige Glauben an das Gelegte bzw. der Unterhaltungseffekt. Tarotkarten zeigen durch ihre vielfältigen symbolischen Darstellungen grundlegende, menschliche, typische Erfahrungen und korrespondieren damit oft mit den eigenen Befindlichkeiten. Das bedeutet, dass viele Aussagen bei verschiedenen Menschen sich ähnlich sein können, da sie ganz einfach immer und auf (fast) jeden zutreffend sind. Wichtig ist, das Ganze mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten, sich zu sagen, was liegt, das liegt und das Beste daraus zu machen.